Höchstspannung unter der Erde - Pilotprojekt zur Stromleitung durch das Emsland
Lingener Tagespost - Kreis Emsland vom 26.01.2012
Münster. Das Planfeststellungsverfahren für einen elf Kilometer langen Teilabschnitt der Stromleitung vom Niederrhein zum im Bau befindlichen Umspannwerk Dörpen-West in Heede ist von der Bezirksregierung Münster eingeleitet worden. Auf einem 3,5 Kilometer langen Teilstück im Kreis Borken soll erstmals in Nordrhein-Westfalen die Verlegung einer Höchstspannungsleitung als Erdkabel getestet werden.
Der Stromnetzbetreiber Amprion GmbH hatte am 14. September 2011 die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens bei der zuständigen Bezirksregierung Münster für den Teilabschnitt von Raesfeld bis Borken-Süd beantragt, der sich über elf Kilometer erstreckt. Er ist gleichzeitig Pilotprojekt auf der Grundlage des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG). Rund 7,5 Kilometer sollen als 380-Kilovolt-Freileitung und 3,5 Kilometer als Erdkabel gebaut werden. Bislang gibt es nur wenig Erfahrung mit unterirdisch verlaufenden Höchstspannungsleitungen.
Dieses erste Teilstück soll dann als Vorbild für den Weiterbau der Leitung durch das Münsterland und Emsland dienen, die im südlichen Teilabschnitt bis Meppen vom Netzbetreiber Amprion und nördlich bis Heede vom niederländischen Staatsunternehmen Tennet gebaut wird, das den deutschen Netzbetrieb vom Energieerzeuger Eon gekauft hat.
Nach Prüfung der eingereichten Unterlagen hat die Bezirksregierung Münster am 4. Januar das gesetzlich vorgeschriebene Anhörungsverfahren eingeleitet. Auf ein Raumordnungsverfahren, wie es im Emsland notwendig ist, konnte verzichtet werden, da sich die Planungen an einer bestehenden Trasse orientieren. Es wurde deshalb von der Bezirksregierung Münster direkt ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet.
Die Antragsunterlagen liegen bis zum 23. Februar in der Gemeinde Raesfeld, der Stadt Borken, der Gemeinde Schermbeck, der Stadt Gescher und der Stadt Isselburg zur Einsichtnahme aus. Einwendungen können überall dort und bei der Bezirksregierung Münster bis zum 8. März 2012 eingereicht werden. Die Antragsunterlagen sind ab sofort auch auf der Internetseite der Bezirksregierung Münster einsehbar.
Nach Ablauf der Frist wird die Bezirksregierung die bis dahin eingegangenen Einwendungen erfassen und der Amprion GmbH Gelegenheit zur Stellungnahme geben.
Erörterungstermin
Im Anschluss findet dann ein Erörterungstermin statt. Die Bezirksregierung wird dort die rechtzeitig eingegangenen Einwendungen und Stellungnahmen mit den Verfahrensbeteiligten verhandeln. Das Ergebnis fließt in die anschließende Prüfung des beantragten Bauvorhabens ein.
Der Landkreis Emsland ist derzeit mit Hochdruck dabei, die zahlreich eingegangenen Stellungnahmen zu den Trassenvarianten im Kreisgebiet auszuwerten. Hier sind die Vorhabenträger Tennet und Amprion ebenfalls eingebunden. Anschließend sollen die im Verfahren notwendigen Erörterungstermine durchgeführt werden.
Der Landkreis Emsland habe von Beginn an den Bürgern die Teilnahme am Verfahren ermöglicht. Sie konnten online Stellungnahmen abgeben und sollen im weiteren Verlauf neben den öffentlichen Vorhabenträgern ebenfalls einen eigenen Erörterungstermin zu bestimmten Schwerpunktthemen erhalten. Die Beteiligung von Bürgern sei formal im Raumordnungsverfahren nicht vorgesehen und stelle somit ein besonderes Angebot des Landkreises Emsland zur Information der Bürger dar, teilte die Kreisverwaltung auf Anfrage mit.
Alt und Jung in der Innenstadt
„Dunkelziffer“ bei Altenwohnungen - Bedarf für Senioren in Lingen ist schwer planbar – Viele Faktoren beeinflussen Entscheidung
Lingener Tagespost - Lokales vom 17.01.2012
Lingen. Das Bekanntwerden der Planungen für den Bau eines Altenheimes am oberen Ende der Burgstraße hat zu Diskussionen darüber geführt, ob weitere Seniorenwohnungen in der Lingener Innenstadt errichtet werden sollten (wir berichteten). Doch wie viele solcher Wohnungen gibt es eigentlich, und wie wird sich der Bedarf entwickeln?
Antworten auf diese Fragen gab am Montag Günter Schnieders, Leiter des Fachbereichs Jugend, Arbeit und Soziales der Stadt Lingen. Grundsätzlich müsse zwischen Heimpflegeeinrichtungen für Menschen, die ihren Tagesablauf nicht mehr alleine bewerkstelligen könnten, und Seniorenwohnungen unterschieden werden. „Es gibt im gesamten Stadtgebiet 498 Pflegeplätze und 306 bei der Stadt registrierte Wohneinheiten für Senioren“, so Schnieders. Davon lägen im Kernbereich rund um die Fußgängerzone 64 Pflegeplätze im „Mutter Teresa Haus“ und 113 Wohneinheiten in verschiedenen Gebäuden. Es sei jedoch nicht möglich, alle seniorengerechten Wohnungen zu erfassen. Es gebe eine „Dunkelziffer“. Senioren würden beispielsweise ihre eigene Wohnung entsprechend umbauen. Diese Zahl und damit den eigentlichen Bedarf könne die Stadt nicht ermitteln.
„Es gibt bei fast allen Anbietern der bei uns registrierten Seniorenwohnungen mehr oder weniger lange Wartelisten. Daran lässt sich jedoch ein Bedarf festmachen“, erklärte Schnieders. Die Kombination von Wohnen und individuell zubuchbarer Leistungen wie zum Beispiel Pflege, Ernährung und hauswirtschaftlicher Leistungen sei gefragt. Von den Pflegeplätzen seien derzeit 90 Prozent (450) belegt.
2011 seien 9800 Lingener älter als 65 Jahre gewesen, was ca. 19 Prozent der Stadtbevölkerung entspreche. „2030 werden dies voraussichtlich 14 200 Menschen bei gleichbleibender Einwohnerzahl also ca. 27 Prozent sein“, erläuterte Schnieders ein weiteres Indiz für einen steigenden Bedarf. Diesen in konkrete Zahlen zu fassen, sei jedoch schwierig.
„Selbst wenn man die Bevölkerung heute befragen würde, wie und wo sie im Alter leben möchte, weiß man nie, ob sich die Menschen später dann auch wirklich so entscheiden“, nannte Schnieders als einen Grund. Zu viele Faktoren spielten dabei eine Rolle. Schnieders verwies auf ein 2009 im Ausschuss für Familie und Soziales vorgestelltes Konzept seines Fachbereiches. „Darin werden
unter anderem auch Mobilität sowie Freizeit- und Einkaufsmöglichkeiten berücksichtigt“, so der Fachbereichsleiter.
Mobilität und Wohnen
Überhaupt hingen Mobilität und Wohnen eng zusammen. So könne ein verbessertes Mobilitätsangebot – wie beispielsweise der „LiLi-Bus“ – die Entscheidung von Senioren über ihren Alterswohnsitz beeinflussen. „Wir wollen steuern, wollen Senioren grundsätzlich die Möglichkeit bieten, in Lingen zu wohnen“, erklärte Schnieders. So könne die Stadt Seniorenwohnungen in neuen Baugebieten planen und Investoren suchen. „Es greift aber nur ein Teil der Senioren auf Angebote zurück, die die Kommune macht“, begründete Schnieders das Problem einer genaueren Planung und Steuerung. „Den Bedarf zu greifen ist schwierig“, so der Fachbereichsleiter. Die Stadt stehe noch am Anfang, wolle aber einen Perspektivplan entwickeln, um den Herausforderungen des demografischen Wandels gerecht zu werden.
Persönlich hält Schnieders das Verhältnis von Jung und Alt in der Innenstadt für ausgewogen: „Ich denke, wir haben einen guten Mix, auch durch die Studenten.“
Lingen: Eine Stadt mit fünf europäischen Partnern
In diesem Jahr kann das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit Burton upon Trent/East Staffordshire gefeiert werden
Lingener Tagespost - Lokales vom 16.01.2012
Lingen. 1921 sind das englische Keighley und das französische Poix-du-Nord weltweit die erste Städtepartnerschaft eingegangen. Das Ziel lautete damals wie heute, sich kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Spitzenreiter in Deutschland ist die Stadt Köln mit 21 Partnerschaften.
Derart viele Partnerschaften ist die Stadt Lingen noch nicht eingegangen – und so lange bestehen diese mittlerweile fünf Partnerschaften auch noch nicht: In 2012 jährt sich die Partnerschaft mit Burton upon Trent/East Staffordshire in Großbritannien allerdings bereits zum 30. Mal. Die weiteren Partnerschaften bestehen seit 1993 im Fall von Bielawa in Polen, 1996 mit Marienberg in Sachsen und seit 1998 mit Salt in Spanien. Die jüngste Partnerschaft besteht mit Elbeuf sur Seine in Frankreich – diese Urkunde ist offiziell am 15. Mai 2004 zwischen Vertretern beider Städte ausgetauscht worden.
Gegenseitige Besuche, gemeinsame Feiern, sportliche Ereignisse, das Vermitteln von Praktikumsplätzen bis hin zu konkreter Hilfe reicht dabei die Bandbreite der Partnerschaftsaktionen. Mit konkreter Hilfe verbindet Petra Bayer, die seit 2004 bei der Stadt Lingen die Partnerschaftsarbeit betreut (siehe Interview), vor allem die vielen Aktionen für das Kinderheim in der polnischen Partnerstadt Bielawa – vor allem der langjährige Vorsitzende der CDU-Stadtratsfraktion Werner Schlarmann und seine Frau haben sich hier über viele Jahre engagiert und für verschiedene Maßnahmen immer wieder um Spendengelder gebeten und vor Ort konkret geholfen. Unterstützt wurde direkt nach der „Wende“ auch die ostdeutsche Partnerstadt Marienberg: So konnten mehrere junge Menschen aus der Partnerstadt im Lingener Rathaus eine Ausbildung zu Verwaltungsfachangestellten absolvieren.
Vor allem auch Jugendbegegnungen liegen Petra Bayer am Herzen – so hilft sie immer wieder gerne bei der Vermittlung von Praktikumsstellen in Partnerstädten, und ein persönlicher Höhepunkt war für sie das Treffen von jungen Menschen aus allen Partnerstädten in der Lingener Jugendherberge. Und vielleicht wird sie auch in diesem Jahr Gäste aus allen Partnerstädten in Lingen begrüßen können: Die Einladungen zum Feiern der seit 30 Jahren bestehenden Partnerschaft mit East Staffordshire ist auf jeden Fall an alle Partner verschickt worden.
Energiestandort Lingen
RWE: Anlage ist jetzt am Netz - Optimierungsleitung kostete 30 Millionen
Lingener Tagespost - Kreis Emsland vom 14.01.2012
pm Lingen. Anfang des Jahres konnte der zweite Bauabschnitt der Optimierungsleitung für den Betrieb des Lingener Gaskraftwerks fristgerecht in Betrieb genommen werden. Nach einem erfolgreich absolvierten Probebetrieb steht die Erweiterung der Optimierungsleitung den Gasblöcken zur Verfügung. Die 765 Rohre mit einem Durchmesser von 1,4 Metern vergrößern die bestehende
15 Kilometer lange Anlage zur Versorgung der Kraftwerke um weitere 13 Kilometer. Die Kosten beliefen sich auf rund 30 Millionen Euro.
Der neue Leiter des Gaskraftwerks Emsland,
Dr. Heinz-Jürgen Wüllenweber, sieht in der Speichermöglichkeit eine weitere Stärkung des Standortes Lingen. „Gaskraftwerke bewegen sich in einem schwierigen und komplexen Marktumfeld. Das gilt insbesondere mit Blick auf die stark steigende Stromerzeugung durch Fotovoltaik- und Windkraftanlagen. Hier leistet die Erweiterung der bestehenden Optimierungsleitung einen wesentlichen Beitrag zum variablen Einsatz der Gasblöcke und verbessert unseren Wettbewerbsvorteil für den optimalen Einsatz des Lingener Gaskraftwerks“, so Wüllenweber. Mit der Optimierungsleitung könne unabhängig von der Stromerzeugung das für den Kraftwerksbetrieb benötigte Erdgas flexibel und damit kostengünstig am Markt beschafft und bereitgestellt werden.
Die Fertigung der Rohrleitungen mit einem Gesamtwert von fast 14 Millionen Euro erfolgte in Mülheim an der Ruhr. Alle Montage- und Verlegearbeiten mit einem Auftragsvolumen von ca.
10 Millionen Euro konnten an eine Arbeitsgemeinschaft aus der Region, bestehend aus den Firmen Nacap Rohrbau GmbH (Niederlassung Meppen) und der Johann Bunte Bauunternehmung GmbH & Co. KG (Hauptsitz in Papenburg), vergeben werden. „Wir freuen uns, dass wir die lokale Wirtschaft und Industrie maßgeblich an der Realisierung des Projekts beteiligen konnten“, betonte der Kraftwerkschef. Während der Bauphase mussten rund 90 000 Kubikmeter Erdreich und 12 000 Tonnen Stahl bewegt werden.
Forschungsagenda Demographie
Für mehr Selbstständigkeit im Alter
Mit ihrer am Freitag vorgestellten Forschungsagenda „Das Alter hat Zukunft” hat die Bundesregierung wichtige Handlungsfelder aufgezeigt, um die Herausforderungen des demographischen Wandels zu meistern. FDP-Forschungsexperte Martin Neumann erklärte, die Agenda sei darauf ausgelegt, mehr Selbstständigkeit und Selbstbestimmung im Alter zu ermöglichen. Er begrüßte, dass das Thema Demographie endlich in der Tagespolitik angekommen sei.
Lingener Tagespost - Lokales vom 27.12.2011
bm Lingen. Ohne weitere Diskussion beschlossen die Mitglieder des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses der Stadt Lingen in der letzten Sitzung, dem Verein Lingen Wirtschaft & Tourismus (LWT) für 2012 einen Zuschuss in Höhe von 727 500 Euro zu gewähren. Das Geld dient zur Deckung der laufenden Kosten.
Nach Angaben der Verwaltung solle das Geld zum Wohle der Bürger und zur Verbesserung der Attraktivität der Stadt eingesetzt werden.
In den Jahren 2010 und 2011 wurde der Zuschuss im Rahmen der vorgegebenen Haushaltskonsolidierungsmaßnahmen auf zuletzt 659 300 Euro reduziert. Um dem LWT für die Zukunft die Möglichkeit zu geben, seinen Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten und auch weiterhin Veranstaltungen wie das Altstadtfest oder den Weihnachtsmarkt durchführen zu können, sollte der städtische Zuschuss wieder an das Niveau aus dem Jahr 2009 angepasst werden.
Um das Industriestammgleis „Schwarzer Weg/Friedrich-Ebert-Straße“ zu sanieren, beschloss der Ausschuss einstimmig, dafür 50 000 Euro bereitzustellen. Das Geld steht zur Verfügung, weil Haushaltsmittel getauscht werden konnten.
Vertrag verlängert
Bei einer Gegenstimme (Bürgernahe) verlängert die Stadt Lingen für ein Jahr die mit den Wirtschaftsbetrieben Lingen geschlossene Vereinbarung über die erweiterten Parkhausöffnungszeiten für die Tiefgarage unter dem Markt und das Parkhaus am Rathaus. Die Kosten dafür belaufen sich auf 11 000 Euro. Die Parkhäuser sind montags bis samstags von 7 bis 22 Uhr geöffnet.
Während sich CDU und SPD mit den seit 2008 bestehenden Öffnungszeiten zufrieden zeigten, meinte Jens Beeck, FDP, dass die Stadt wenigstens in einem Parkhaus einen 24-Stunden-Service einrichten sollte.
Taxipreise im Landkreis
Tarife für Taxifahrten angehoben
Lingener Tagespost - Landkreis Emsland vom 21.12.2011
pe Meppen. Die derzeit im Landkreis Emsland – mit Ausnahme der Stadt Lingen – geltenden Taxitarife werden leicht angehoben. Einen entsprechenden Antrag der Bezirksgruppe Osnabrück-Emsland im Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen hat der Kreistag in seiner letzten Sitzung genehmigt. Danach erhöht sich der Grundpreis werktags zwischen 6 und 21 Uhr um 20 Cent auf 2,30 Euro (Lingen: 2,20 Euro). Der Grundpreis von 2,50 Euro für die Nachtstunden sowie an Sonn- und Feiertagen (Lingen: 2,60 Euro) bleibt unverändert. Das Entgelt für die gefahrene Wegstrecke werktags zwischen 6 und 21 Uhr bleibt bis drei Kilometer unverändert bei 1,50 (Lingen: 1,60 Euro). Ab dem dritten gefahrenen Kilometer pro Kilometer erhöht sich der Preis um fünf Cent auf 1,45 Euro (Lingen: 1,50). Werktags in den Nachtstunden bzw. an Sonn- und Feiertagen bleibt es bis drei Kilometer 1,80 Euro, ebenso in Lingen. Ab drei Kilometern kostet der gefahrene Taxikilometer im Landkreis 1,50 Euro, bislang 1,40 Euro (Lingen: 1,55). Zuletzt waren die Preise im Emsland 2006 (Lingen 2008) angehoben worden. Vor dem Hintergrund der insbesondere enorm gestiegenen Benzinkosten sei die Tariferhöhung moderat, hieß es aus der Kreisverwaltung.
Gerenkamp neuer Erster Kreisrat
Hausgewächs, das gut ins Team passt“ - Gerenkamp neuer Erster Kreisrat
Lingener Tagespost - Kreis Emsland vom 20.12.2011
hh Meppen. Es ist die wichtigste Personalentscheidung, die ein Kreistag alle acht Jahre zu treffen hat – und wie fast immer, so gab es auch bei der Neubesetzung der Position des Ersten Kreisrates als Verwaltungsstellvertreter von Landrat Reinhard Winter im Kreistag am Montag keinen großen Diskussionsbedarf. Innerhalb weniger Minuten stand nach geheimer Abstimmung fest: Mit Dezernent Martin Gerenkamp rückt ein langjähriger Verwaltungsmitarbeiter und Dezernent in die Stellvertreter-Postion von Winter auf.
Das Votum der Kreistagsabgeordneten war ohne vorangegangene Diskussionen zur Person des 47-ährigen eindeutig: 53 der 61 Kreistagsabgeordneten waren für Gerenkamp, drei enthielten sich und fünf verweigerten die Zustimmung. Ob es sich bei den Nein-Stimmen um die Abgeordneten der Grünen handelte, blieb aufgrund der geheimen Wahl offen. Es war allerdings die Fraktion der Grünen, der bei der Gerenkamp-Wahl die Transparenz fehlte. Nikolaus Schütte zur Wick sah „kein richtiges Auswahlverfahren, wenn über 40 Bewerbungen eingehen und wir nun nur noch Ja oder Nein sagen dürfen“. Ihm fehle die Transparenz.
Landrat Winter hatte zuvor ausführlich seine Beweggründe aufgezeigt, warum er, gemäß seinem Vorschlagsrecht laut Niedersächsischem Kommunalverfassungsgesetz Gerenkamp dem Kreistag zur Wahl angeboten hatte. Der Christdemokrat: „Ich habe nach Sichtung der über 40 Bewerbungen mit neun Bewerbern vertiefende Gespräche geführt und dabei alle Interessenten gegen den Bewerber aus dem eigenen Haus abgewogen und abgeprüft, um sicher zu sein, wer der Beste ist.“
In die Bewertung seien neben der Fachkenntnis auch die Frage des Wohnortes, das Alter („Die Stelle soll nicht in wenigen Jahren wegen des Erreichens des Rentenalters schon wieder vakant sein“) und die Teamfähigkeit eingeflossen. Schell sei ihm klar geworden, dass mit Gerenkamp ein Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen habe, bei dem „die Qualifikation stimmt, der das Emsland kennt und in fast allen Bereichen Erfahrungen gesammelt hat“.
Gerenkamp, so zeigte sich Winter überzeugt, werde „alle Vorstellungen erfüllen, die wir an ihn stellen werden.“ Der Lingener Familienvater sei „ein Hausgewächs, das gut ins Team passt, seit 17 Jahren mit guter Arbeit überzeugt hat und Land und Leute kennt“. Zudem genieße Gerenkamp bei Vereinen und Institutionen einen guten Ruf.
Der neue Erste Kreisrat machte deutlich, dass für ihn die Bewerbung für das Amt „ein konsequenter Schritt in meiner Biografie ist und ich mich den Emsländern auch verpflichtet fühle“. Es sei die beste Entscheidung seines Lebens gewesen, 1992 als Münsterländer ins Emsland zu ziehen. „Jetzt freue ich mich auf die neue Aufgabe“, so der Jurist.
****
Kommentar der LT
Kommentar
Kontinuität garantiert
Aus Erfahrung gut“ – so hieß es viele Jahre in der Werbung. Und das passt auch gut zu der Wahl von Martin Gerenkamp zum Ersten Kreisrat. In mehrfacher Hinsicht. Der Kreis hat seit Jahren gute Erfahrungen gemacht mit Mitarbeitern, die im eigenen Hause aufgestiegen sind. Das gilt auch für Gerenkamp, der nach der Wahl zum Dezernenten in verantwortlicher Position überzeugt hat. Ebenso wichtig: Landrat Winter muss ebenfalls – zwischenmenschlich – gute Erfahrungen mit seinem zukünftigen Stellvertreter gemacht haben. Also passt die Wahl. Sie garantiert nicht zuletzt Kontinuität in der Arbeit. Für Winter und Gerenkamp wird die neue Konstellation eine Herausforderung. Sie müssen als Team funktionieren, wenn sie allen Herausforderungen gerecht werden wollen. Da sie sich kennen, dürfte das kein Problem werden.
Spannend wird zudem zu beobachten sein, welche Rolle die neue rechte Hand Winters in der Öffentlichkeit übernehmen darf. Bekanntlich wurde das Emsland in dieser Hinsicht zwei Jahrzehnte von einer medialen Alleinherrschaft regiert. Ein Duo mit Arbeitsteilung kann auch in diesem Bereich viele Vorteile bringen. Die nächsten acht Jahre werden es zeigen. Gutes Gelingen!
Massentierhaltung
Detailreiches Hin und Her unter Experten - Erörterungstermin zu beantragtem Maststallbau durchgeführt – Gutachten unter die Lupe genommen
Lingener Tagespost - Kreis Emsland vom 9.12.2011
Meppen. Es war kein Tag großer Emotionen, wie man sie kennt, wenn Gegner von Mastställen mit Transparenten und wortgewaltig zu Felde ziehen. Nein, gestern standen Fakten im Mittelpunkt, die sachliche Auseinandersetzung damit und immer wieder die Frage nach dem, was Recht und Gesetz fordern, erlauben oder auch ermöglichen. Es ging um den geplanten Bau zweier Hähnchenmastställe in Wippingen.
Den Rahmen für das Duell unter den Rechtsexperten und Sachverständigen der Gegnerschaft, des Bauherrn und des Landkreises Emsland bot der Erörterungstermin, zu dem der Landkreis als Genehmigungsbehörde eingeladen hatte. Es ging darum, die eingereichten Einwendungen mit den Beteiligten zu besprechen. Und davon gab es „jede Menge“, wie Verhandlungsführer Egbert Wellmer eingangs darlegte. Dabei klassifizierte er die eingereichten Bedenken des Rechtsanwalts Peter Kremer aus Berlin nicht nur als umfangreich und reckte dabei einen prall gefüllten Ordner in die Höhe, sondern auch als „inhaltlich beachtlich“.
Kremer ist sozusagen die Speerspitze der Gegnerschaft. Er vertrat gestern 106 Einwender und zehn Verbände. Der Verwaltungsrechtler hatte bereits von sich reden gemacht, indem er im Falle eines in Bockhorst geplanten Stallbaus erfolgreich auf offene Fragen des Gesundheits- und des Brandschutzes hingewiesen hatte. Der Landkreis fordert mithin für ähnliche Genehmigungsverfahren zusätzliche Gutachten. Und die standen gestern ganz besonders auf dem Prüfstand.
Gleichwohl wurden Fragen danach, ob beispielsweise die beiden Notfalllüfter im Giebel des Stalles tatsächlich nur im Notfall oder doch über längere Zeit im Einsatz sind, nicht weniger intensiv erörtert. Und ganz auf die Schnelle rechneten Kremer und der Sachverständige für Emissionsschutz, Knut Haverkamp, vor, wie viel Ammoniak Mist emittiert, der auf der Betonplatte vor dem Stall gelagert würde und damit ebenfalls in die Berechnungen hätte mit einfließen müssen. Die Experten aufseiten des Bauherrn ordneten dagegen die insgesamt drei kritisierten Aspekte zur Freisetzung von Ammoniak als „irrelevant“ ein. Ob daraus am Ende aufgrund der Summe doch eine relevante Problemlage wird, hat nun die Kreisverwaltung zu untersuchen.
Auf der Stelle trat die Erörterung des Keimgutachtens indes von Beginn an. Warum? Dafür lieferte Verhandlungsführer Wellmer die Antwort: „Wir bewegen uns auf rechtlich brüchigem Eis.“ Diese Situation führte im Grunde auch dazu, dass sich das beauftragte Büro aufgrund fehlender Ausbreitungsmodelle nur zu helfen wusste, indem es eine „Krücke“ benutzte. Es ermittelte zunächst die bereits vorhandene Belastung durch Messungen. Und um die neu entstehende Belastung zu erfassen, machte es die Ausbreitung von Keimen wie Schimmelpilze, Endotoxine und Staphylokokken-Bakterien anhand der Staubemissionen fest. Die gelten als wichtigster Träger der sogenannten Bioaerosole.
Rechtsanwalt Kremer wertete dieses Vorgehen als nicht ausreichend. Es müsse unter anderem auch der Frage nachgegangen werden, zu welchen Gesundheitsgefahren es kommen könne. Zudem kritisierte er den angenommenen Grenzwert und forderte aufgrund möglicher Antibiotikaresistenzen ein viel genaueres Hinschauen bei den Staphylokokken.
Dr. Birgit Stoßberg, Leiterin des Fachbereiches Gesundheit beim Landkreis, betonte dagegen, dass es keine Erkenntnis darüber gebe, dass „aus jedem Stall automatisch krankmachende Staphylokokken kommen“.
Scharfe Kritik übte der Rechtsanwalt des Bauherrn, Dr. Karl Thedieck, am Vorgehen des Landkreises: „Die Forderung nach einem Keimgutachten war von Anfang an ein Fehlweg. Andere Landkreise haben dies aus gutem Grund nicht übernommen.“
Ein detailreiches Hin und Her erlebten die Beteiligten und zahlreichen Zuhörer ebenso beim Thema Brandschutz. Hier stand im Fokus, ob vorbeugender Brandschutz ausreicht oder ob die tatsächliche Rettung der Tiere möglich sein muss.
Mit den unterschiedlichen Auffassungen werden sich wohl früher oder später auch Gerichte beschäftigen müssen. Der Bauherr hat indes die Aussicht, deshalb nicht jahrelang mit dem Bau warten zu müssen. Er bekommt aller Voraussicht nach seine Genehmigung und hat dafür auch „sofortigen Vollzug“ beantragt. Dann könnte er bauen, während die Juristen vor dem Verwaltungsgericht um die Zustimmung der Richter ringen.
Der Wippinger Landwirt wäre übrigens nicht der Erste, dessen Brandschutz- und Keimgutachten das Genehmigungsverfahren erfolgreich durchlaufen hätten. Laut Kreisbaurat Kopmeyer ist bisher ein Schweinemaststall unter diesen neuen Voraussetzungen genehmigt worden.