- FDP Emsland-Süd

FDP kritisiert Unterrichtsversorgung an Berufsschulen in Lingen

Lingener Tagespost - Lokales vom 04.04.2019
Von Thomas Pertz

Lingen. Kritik an der Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen in Lingen hat die Lingener FDP geübt. Die Unterrichtsversorgung an der BBS Wirtschaft in Lingen habe zum Stichtag im November 2018 nur noch bei 85,6 Prozent gelegen, so der Ortsvorsitzende der FDP Emsland-Süd, Dirk Meyer.

Eine etwas andere Zahl nennt die Landesregierung im Zusammenhang mit einer Anfrage der FDP im niedersächsischen Landtag. Danach liegt die Unterrichtsversorgung an den BBS Lingen Wirtschaft bei 88,6 Prozent, an den BBS Technik und Gestaltung bei 95,9 Prozent und an den BBS Agrar und Soziales bei 90,7.

Um Unterrichtsausfälle zu vermeiden, sei eine Unterrichtsversorgung von mindestens 103 Prozent notwendig, forderte Meyer in einer Mitteilung. Die aktuelle Situation sei "Unterrichtsversorgung auf weiterhin schlechtem Niveau“, sagte der FDP-Politiker. Er forderte den Lingener CDU-Landtagsabgeordneten Christian Fühner zum Handeln auf. Fühner hatte vor seiner Wahl in den niedersächsischen Landtag ein paar Monate als Lehrer an den BBS Lingen Wirtschaft an der Nöldekestraße gearbeitet. „Es reicht nicht, wenn die Landespolitik in Sonntagsreden betont, wie wichtig die berufliche Bildung ist. Jetzt muss auch gehandelt werden“, betonte Meyer.

Rund 1550 Schüler

Rund 75 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten an den BBS Lingen Wirtschaft, die von etwa 1550 jungen Leuten besucht wird. Ihnen steht nach Angaben von Oberstudiendirektor Hans-Jürgen Grosse, Leiter der BBS Wirtschaft, und sein Stellvertreter, Studiendirektor Heinz Gebbeken, auf Anfrage der Redaktion.ein breit gefächertes berufsbegleitendes und berufsaufbauendes Bildungsangebot im kaufmännisch-verwaltenden Sektor zur Verfügung. Außerdem kann jeder schulische Bildungabschluss bis hin zur allgemeinen Hochschulreife erworben werden. Im Gespräch mit der Redaktion erläuterte Oberstudiendirektor Grosse, dass sich die Unterrichtsversorgung an den BBS Lingen Wirtschaft seit 2014 zwar nur geringfügig, aber dennoch stetig verbessert habe. "Dennoch liegt sie weit unter dem Wünschenswerten und Notwendigen", unterstrich der Schulleiter.

Grosse: Bildungsauftrag wird erfüllt

Der Bildungsauftrag der Schule werde gleichwohl voll erfüllt, betonte Grosse. Neben dem Kerngeschäft Unterricht würden zusätzlich gemeinsame praxisnahe Projekte mit Betrieben und anderen Partnern durchgeführt, um die Schüler gut auf die Berufswelt vorzubereiten. "Wir unterrichten nicht weniger, als vorgeschrieben", ergänzte sein Stellvertreter Heinz Gebbeken. Der Unterricht falle nicht aus, finde aber unter Umständen in größeren Klassen statt. "Es ist nicht so, dass wir nur 88,7 Prozent Unterricht geben", betonte der Studiendirektor.

Beide Pädagogen begrüßten es, dass das Thema Unterrichtsversorgung an den Berufsschulen verstärkter aufgegriffen werde. Hier seien insbesondere die Lehrerverbände und Wirtschaftsorganisationen wie die Industrie- und Handelskammern sowie Handwerkskammern aktiv geworden. Politisch tut sich aber auch Einiges: Grosse verwies auf eine Einladung der CDU-Landtagsfraktion an die Leiterinnen und Leiter der niedersächsischen Berufsschulen für diesen Freitag nach Hannover.

Der Schulleiter betonte abschließend, dass die BBS Wirtschaft große Anstrengungen bei der Einstellung von Lehrkräften unternehme. Dazu gehörten die umgehende Ausschreibung zugewiesener Stellen, die Einstellung aller Referendare, die vom Studienseminar kämen und das Angebot von Praktika, um während oder auch vor dem Studium die BBS Lingen Wirtschaft kennenzulernen.

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Kommentar von Thomas Pertz:
Den Berufsschulen fehlt eine Lobby

Lingen. Es tut sich offenbar etwas in der öffentlichen Wahrnehmung der Berufsschulen, denn die Kritik an der Unterrichtsversorgung dort wird lauter.

Was die Wertschätzung für die berufliche Bildung anbelangt, kann es nur von Vorteil sein, wenn sich eine stärkere Gruppe aus Politik, Wirtschaft und Verbänden für die Belange der Berufsschulen interessiert.

Eine solche Lobby fehlt dieser Schulform nämlich. Da sind die Gymnasien zum Beispiel ganz anders unterwegs, wo unter anderem auch eine starke Elternschaft für den notwendigen politischen Druck für Veränderungen sorgt. In dieser Ausprägung fehlt eine Interessenvertretung an den Berufsschulen.

Die eine Schulform gegen die andere auszuspielen, hilft in der Sache aber nicht weiter. Bildung fördern und die Rahmenbedingungen dafür schaffen ist eine zentrale Aufgabe des Landes. Das gilt natürlich auch für die berufliche Bildung. Dass hier noch einiges zu tun ist, hat die Landesregierung erkannt. Und dass die im vergangenen Jahr eingestellten 546 Lehrkräfte an den Berufsschulen noch nicht ausreichend sind, ebenfalls. Wenn also eine gute berufliche Bildung Garant für die Stärke des Wirtschaftsstandortes in Niedersachsen ist, wie der niedersächsische Kultusminister Tonne betont, dann müssen den Worten weitere Taten folgen.
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